New Work in New York a.k.a. Make negotiation great again

 

Als im Rahmen der Weihnachtsfeier am 16.12. letzten Jahres die „Wildcard“ unserer beiden Geschäftsführer für den Messebesuch der NRF-Big Show in New York dem Personalreferenten zuteilwurde, erlebten mich die Kollegen in einem sehr seltenen Zustand – sprachlos.

Umso größer war dann die Vorfreude, als es tatsächlich am 13. Januar Richtung USA losging. So traf ich mich mit Stefan (Hilger) am Frankfurter Flughafen, an dem wir die Wartezeit auf das um „wenige Stunden“ verschobene Boarding unseres A 380 der Singapore Airlines auf höchst angenehme Weise in der Lufthansa Lounge verbrachten und dort mehrere Kollegen der SAP kennenlernten, die ebenfalls mit uns den Sprung über den Teich wagen wollten. A 380 und Singapore Airlines erwies sich als eine hervorragende Kombination (für die ich auf ewig in Stefans Schuld stehen werde), die zum einen auch in der Economy einen fürstlichen 20170113_131402 Sitzabstand und eine Menükarte mit Cocktail-Auswahl bietet, zum anderen ein überragend ruhiges Fluggefühl und extrem niedrigen Geräuschpegel aufweist, so dass man den Start erst dadurch bemerkt, dass man in den Sitz gepresst wird.  4 Filme aus dem Bordentertainment und 3 Singapore Slings, serviert vom sehr adrett gekleideten weiblichen Bordpersonal (siehe und lerne, Lufthansa!), später landeten wir am JFK in New York. Die berüchtigte „Immigration“ gestaltete sich erstaunlich problemlos, vermutlich, weil wir die letzten Tage des liberalen Amerikas unter Barack Obama erleben durften, bevor ein New Yorker Immobilienmogul das Ganze wieder „great again“ machen würde…

So gelangten wir problemlos zu unserem Bus Richtung Manhattan, in dem auch sofort ein hoch engagierter Busfahrer das Bordentertainment übernahm und uns mit thematisch perfekt ausgewählter 20170113_221159Hintergrundmusik Richtung Hochhäuser chauffierte. Als er dann nach der Tunnelpassage nach Manhattan auch noch Sinatras Evergreen auflegte, hatte er sich sein Trinkgeld endgültig verdient. So tauchten wir in die Häuserschluchten ein, um kurz danach unser Hotel zu erreichen. Um das Erlebnis dieser Stadt maximal auszukosten, ging es natürlich sofort danach mit Köbes (Hans-Jakob Reuter), der an unserem Hotel zu uns stieß, zum obligatorischen Besuch auf dem Times-Square. Hier erlebt der erstmalige New York Reisende den endgültigen Overkill – nach JetLag mit Gleichgewichtsstörungen und gefühlten 36 Stunden wach am Stück brennt sich dieses orgiastische Lichtermeer so dermaßen nachhaltig auf die Netzhaut, dass einem einfach der Mund offen stehen bleibt. Ginge es hier nach deutschen Sicherheitsbestimmungen – an jeder Zufahrtsstraße müssten Schilder mit fotosensitiven Epilepsiewarnungen aufgestellt werden. Die Eingeborenen scheinen hier aber eine Immunität vorzuweisen, denn verkrümmte, zuckende Gestalten fand man nicht. Hingegen eine Vielzahl kostümierter Gestalten aus dem Marvel- und Disneyuniversum, mit denen man sich gegen Gebühr fotografieren lasse20170113_192451_Richtone(HDR)n kann. Dem nackten Cowboy, der hier normalerweise Gitarre spielt, war es aber in diesen Tagen wohl zu kalt. Bevor uns dann selber auch zu kalt wurde, gingen wir in ein typisches Diner, in dem wir die amerikanische Definition von Kochkunst kosteten: Frittierte Kohlehydrate und paniertes Fett sollten auch in den nächsten Tagen unser ständiger Begleiter sein. Ausgesprochen Lecker, aber nicht zur dauerhaften Ernährung geeignet. Überhaupt war der Einblick in das US-Amerikanische Ernährungsselbstverständnis sehr aufschlussreich: Da wird die gewöhnliche Kartoffel mit dem Slogan „Contains essential carbohydrates“ beworben – da tut man sich mit Pommes ja quasi was Gesundes in die Tüte. Zuckerhaltige Nahrungsmittel, wie die pappsüßen Softdrinks, werden dann durch den Hinweis „Low Fat“ auch zum gefühlten Diät-Drink. So bewirbt man sich die Welt, wie sie einem gefällt. Erstaunlich ist tatsächlich nur eines: Während in einer Bevölkerung, in der die Mehrheit stark übergewichtig ist, Zucker und Fett scheinbar eine gesunde Lebensgrundlage sind (und gemäß mehrerer von Nahrungsmittelproduzenten beauftragten, unabhängigen Studien auch nicht mit hinreichender statistischer Wahrscheinlichkeit mit Fettleibigkeit und Gefäßerkrankungen in Verbindung gebracht werden dürfen [there are alternative facts]), so fürchtet der Ami nichts mehr, als gefährliches Salz in Lebensmitteln. Sogar auf U-Bahn Plakaten wird davor gewarnt, dass die Einnahme von mehreren salzhaltigen Nahrungsmitteln in Kombination zu einer Überschreitung des maximal empfohlenen täglichen Salzkonsums führen kann. Daher gibt es eigentlich nur ein Kriterium, an dem man gesundes Essen erkennt: low sodium. Da wird auch ein Phänomen wie Herr Trump etwas nachvollziehbarer.

Nach diesem 20170114_081740_Richtone(HDR)krassen ersten Tag starteten Köbes und ich am nächsten Morgen (auch um keine bleibenden Schäden durch die ungewohnte Ernährung zurückzubehalten) zu einem kleinen Läufchen am Hudsonriver und durch den Central Park. Völlig abgefahren und ein wenig surreal, wenn man entlang von Szenerien läuft, die man sonst nur aus Filmen kennt. Nach einem amerikanischen Frühstück (off cause low sodium) ging es dann zunächst auf die Messe, um den Aufbau unseres Stands zu kontrollieren. Als Teil der SAP Repräsentanz prominent an einem der Eingänge gelegen – Grafiken und Slogans stimmen – die Messe kann kommen!

Ein Höhepunkt jagte den nächsten: Wir fuhren nach Brooklyn zu unserem Termin in Peter Lugers Steakhouse, der Nr. 1 Adresse in New York für Black Angus Beef! In diesem Steakhouse, das seit 1984 20170114_141854_Richtone(HDR)kontinuierlich von New Yorks Gastronomiekritikern ausgezeichnet wird und sogar ein Blümchen (Sterne gibt es entgegen der landläufigen Meinung in diesem Restaurantführer nämlich gar nicht) im Guide Michelin hält, verspeisten wir ein hervorragendes Stück Fleisch, dass durch die spezielle Art der Zubereitung bei 800°C (einfach mal nach „Beefer“ googlen) außen kross Maillardisiert und innen perfekt Medium war. An der Stelle hätte der Trip auch enden können – weitere Steigerungen waren schwer möglich.

Sightseeing und Shopping füllte den Rest des Tages schnell. Als kleines Highlight gönnten sich Köbes und ich den Besuch eines Broadway Musicals. Phantom of the Opera wurde es, nicht zuletzt, weil wir als Experten für Konditionenmanagement den unglaublichen 40% Diskont auf die Tickets nicht entsagen konnten. Neben einer hervorragenden Darbietung erlebten wir zwei weitere Beispiele amerikanischer Hochkultur: Zum einen war die Klimaanlage (im JANUAR!) so kalt, dass Köbes sich eine Erkältung zuzog, zum anderen kraschpelte eine amerikanische Familie hinter uns wie völlig selbstverständlich die kompletten drei Stunden mit Chips- und Popcorntüten. Make America great again, please!

Die nächsten 20170117_202943_Richtone(HDR)Tage waren geprägt vom Messealltag. An unserem Stand besuchten uns viele sehr spannende Kunden aus der ganzen Welt: Von Kanada, Australien bis zu Japan – deutlich mehr als nur der US-Handel war auf der Messe vertreten. Sogar einem Händler aus dem Kosovo durfte ich unsere Lösungen näherbringen – mit was genau der allerdings Handel betreibt, das habe ich nicht herausgefunden. Festgestellt haben wir aber vor allem eins: Unser neuer Partnerstatus war die Initialzündung für unsere Kollegen aus dem SAP-Vertrieb! Unglaublich viele Vertriebler waren bei uns und haben sich über unser Angebot informiert, teilweise direkt mit ihren Kunden im Schlepptau. Die Resonanz war dabei überwältigend: Unsere Lösung ist genau das, was der Handel braucht. Teilweise haben Kunden, die erst nur exakt 5 Minuten in ihrem straffen Zeitplan für uns eingeplant hatten, diese Zeit (zu Lasten der anderen Aussteller) noch deutlich verlängert, weil sie völlig von unseren Möglichkeiten beeindruckt waren. Das soll dann auch meine Botschaft an unsere Entwickler und Berater sein: Das, was wir gerade gemeinsam machen, schlägt auf dem Markt ein wie eine Bombe! Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, diese Begeisterung bei jedem Kunden neu zu entfachen, weil es ein echtes Interesse für unser Thema gibt!

Ganz im gicom-Style haben wir uns nach den Messezeiten natürlich nicht ins Hotel gelegt, sondern haben weiterhin den großen Apfel unsicher gemacht. Abgefahrene Restaurants gehörten da genauso zu den Anlaufstellen wie diverse Flagship-Stores einschlägiger Sportartikelhersteller und natürlich die vielen Sehenswürdigkeiten, die 20170116_070247die Stadt bietet. Auch sind Köbes und ich ein weiteres Mal Laufen gewesen, direkt um 06:15 Uhr Richtung Central Park. Fast menschenleere Wege und ein einmaliges Panorama bei bestem Wetter haben uns mehr als entschädigt.

Nach drei fordernden Messetagen, vielen Gesprächen 20170118_124338und einzigartigen Erlebnissen ging es dann Richtung Heimat. Bustransfer zum Flughafen, Nachtflug nach Frankfurt (wobei der Service der Singapore ein Zeitfenster von 2,5 Stunden zum Schlafen lässt, wenn man denn kann), Zeitverschiebung, Zugfahrt Richtung Köln, das alles fordert dann unweigerlich Tribut. So gelang es mir mit letzter Kraft, das wertvollste unserer Reise in gute Hände zu übergeben – die Leadbögen mit den Kontaktinformationen unser potentiellen Neukunden.

Wie Frodo am Schicksalsberg hatte ich die Mission erfüllt. Drei Tage später hatte ich auch das neuerliche JetLag überstanden.

Was kann ich dem oder der nächsten Glücklichen mitgeben, der eine Wildcard nach New York bekommt? Zunächst, dass es sich definitiv lohnt, sich dafür anzustrengen. „Unparalleled experiences“ sind es, die einen erwarten. So wäre ein Trip nach New York bzw. ein Ausflug mit unseren beiden Geschäftsführern irgendwohin schon Highlight genug, die Kombination dieser beiden Ereignisse ist es aber, was diese Zeit einfach zu einem intensiven Trip macht, auf dem ein Höhepunkt den anderen jagt. Des Weiteren ist körperliche Fitness ist nicht verkehrt, wenn man New York aus der spannendsten Perspektive erleben will – zu Fuß. Durchschnittlich 20.000 Schritte habe ich jeden Tag zurückgelegt, insgesamt ca. 77 km in fünf Tagen. Für den reuelosen Genuss amerikanischer Küche empfiehlt sich auch ein trainierter Magen – KFC, McD und BK bieten realistische Trainingsmöglichkeiten.

Nun reihe ich mich ein in die Riege der NRF-Veteranen. Danke Köbes, danke Stefan für eine fantastische Reise, auf der ich sowohl beruflich als auch persönlich vieles dazulernen durfte.

Autor: Michael