Internationale Projektteams – Herausforderung und Bereicherung

Arbeiten in der Zentrale eines Weltkonzerns, Projekte in Amerika und Asien, internationale Teams, weltweit zusammengestellt aus Consultants, technischen Spezialisten und Mitarbeitern des Kunden. Als Berater bei der gicom konnte ich in den letzten fünf Jahren die Besonderheiten solcher Projekte aus der Nähe erleben. Global verteilte Projektteams haben zunächst einmal ganz offensichtliche Probleme zu überwinden: Verschiedene Zeitzonen und Sprachen, hohe Reisekosten und mancherorts eine schlechte Internetanbindung. Daneben trifft man aber auch auf überraschende Schwierigkeiten.

So genügt ein Kick-Off als Teambuilding-Maßnahme nicht, um aus unterschiedlichsten Mentalitäten und räumlich getrennten Spezialisten eine funktionierende Gruppe zu bilden. E-Mails und Telefonkonferenzen ersetzen nicht persönliches Kennenlernen und gegenseitige Vor-Ort Besuche. In Asien beispielsweise funktioniert buchstäblich nichts ohne zwischenmenschlichen Kontakt. Und nur im direkten Erleben lernt man, dass ein indisches „Ok“ lediglich bedeutet „Ich habe gehört was gesagt wurde“, vor der Durchführung der besprochenen Aktion aber zusätzlich eine klare Anweisung erwartet wird.

Die Chancen und Herausforderungen der Globalisierung - Wir haben es in der Hand!

Allerdings ergeben sich auch Vorteile durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Denkweisen, Erfahrungswelten und Herkunftsländer. Ein Teammitglied aus der jeweiligen Region ist einfach näher am Kunden, spricht eher dessen ‚Sprache‘ und kennt lokale Gegebenheiten und Regularien. Kollegen aus der Zentrale kennen dagegen die wesentlichen Entscheider.

Jeder bringt seine Stärken ein, gemeinsam finden sich bessere Lösungen als bei einseitiger Betrachtung. Gründliche Planung ergänzt sich mit Improvisationstalent, Gradlinigkeit mit Flexibilität, Sachlichkeit mit Einfühlungsvermögen. Verschiedene Strategien kommen bei Problemen zum Einsatz: Ein deutscher Kollege tendiert eher dazu, Prozesse gemäß den Vorgaben technisch abzubilden, notfalls auch mit hohem Aufwand. Indische Kollegen streben dagegen oft einen organisatorischen bzw. kommunikativen Weg an. Der amerikanischen Mentalität entspricht es, gerne Vorgaben in Frage zu stellen und eigene Prozessvarianten vorzuschlagen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass internationale Teams einige Risiken in sich bergen, aber eben auch viele Chancen. Dabei lässt uns eine immer enger vernetzte und verstärkt globalisierte Welt oft gar keine andere Wahl, als weltweit Kräfte zu bündeln, Kompetenzen zusammenzubringen und so Wettbewerbsvorteile zu realisieren. Schließlich bietet ein solches Umfeld auch jedem Einzelnen die Möglichkeit, sich persönlich weiter zu entwickeln, Hemmschwellen zu überwinden und völlig neue Erfahrungen zu sammeln. Insgesamt war es für mich eine extrem spannende und bereichernde Zeit.

Autor: Ralf Berges

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